Betreuungsentschädigung (BUE)

Anspruchsberechtigte

Die Betreuungsenstschädigung ist für Eltern vorgesehen, deren minderjähriges Kind eine schwere gesundheitliche Beeinträchtigung erleidet und dadurch einen erhöhten Bedarf an Begleitung und Pflege hat. Eltern, welche die Anspruchsvoraussetzungen für die Betreuungsentschädigung erfüllen, haben Anspruch auf den damit verbundenen Urlaub bzw. den Erwerbsersatz.

Ein Kind gilt als gesundheitlich schwer beeinträchtigt, wenn:

  • eine einschneidende Veränderung seines körperlichen oder psychischen Zustandes eingetreten ist;
  • der Verlauf oder der Ausgang dieser Veränderung schwer vorhersehbar ist oder mit einer bleibenden oder zunehmenden Beeinträchtigung oder dem Tod zu rechnen ist;
  • ein erhöhter Bedarf an Betreuung durch die Eltern besteht; und
  • mindestens ein Elternteil die Erwerbstätigkeit für die Betreuung des Kindes unterbrechen muss.

Die schwere gesundheitliche Beeinträchtigung ist von Bagatellkrankheiten und leichten Unfallfolgen abzugrenzen: Schwere gesundheitliche Beeinträchtigungen verlangen eine intensive Betreuung durch die Eltern.

Der Stiefelternteil hat Anspruch auf die Entschädigung, wenn:

  • sie oder er eine Hausgemeinschaft mit einem Elternteil führt, und
  • der Elternteil die alleinige oder gemeinsame elterliche Sorge und Obhut hat, und
  • ein Elternteil vollständig auf den Anspruch auf Betreuungsurlaub verzichtet. Der Urlaub kann von maximal zwei Personen bezogen werden.

Pflegeeltern haben Anspruch auf die Entschädigung, wenn sie das Pflegekind zur dauernden Pflege und Erziehung aufgenommen haben. Als Pflegeeltern gelten Personen, die ein minderjähriges Kind ausserhalb des Elternhauses aufnehmen und denen hierfür eine Bewilligung der zuständigen Behörde erteilt wurde.

Anspruchsvoraussetzungen

Sie haben Anspruch auf die Betreuungsentschädigung, wenn Sie:

  • Mutter oder Vater eines Kindes sind, das gesundheitlich schwer beeinträchtigt ist und
  • Ihre Erwerbstätigkeit für die Betreuung des Kindes unterbrechen.

Zudem erfüllen Sie in diesem Zeitpunkt eines dieser Kriterien:

  • sind Arbeitnehmer-in oder
  • selbständig erwerbend; oder
  • arbeiten im Betrieb der Ehefrau oder des Ehemannes, der Familie oder der Konkubinatspartnerin oder des Konkubinatspartners mit und erhalten einen Barlohn vergütet; oder
  • sind arbeitslos und beziehen bereits ein Taggeld der Arbeitslosenversicherung; oder
  • sind wegen Krankheit, Unfall oder Invalidität arbeitsunfähig und beziehen deswegen Taggeldleistungen einer Sozial- oder Privatversicherung, sofern dieses Taggeld auf einem vorangegangenen Lohn berechnet wurde; oder
  • stehen in einem gültigen Arbeitsverhältnis, aber erhalten keine Lohnfortzahlung oder Taggeldleistung, weil der Anspruch ausgeschöpft ist.

Dauer des Anspruchs

Der Anspruch des jeweiligen Elternteils auf die Betreuungsentschädigung beginnt am Tag des Unterbruchs der Erwerbstätigkeit für die Betreuung des gesundheitlich schwer beeinträchtigten Kindes. Die Rahmenfrist von 18 Monaten beginnt am Tag, für den der erste der beiden Elternteile ein Taggeld bezieht.

Der Anspruch auf die Betreuungsentschädigung endet spätestens 18 Monate, nachdem das erste Taggeld bezogen wurde (Rahmenfrist). Er endet vor Ablauf dieser Frist, wenn die 98 Taggelder bezogen wurden.

Der Anspruch endet vorzeitig, wenn das Kind nicht mehr gesundheitlich schwer beeinträchtigt ist oder stirbt. Der Anspruch endet hingegen nicht vorzeitig, wenn das Kind während der Rahmenfrist volljährig wird.

Der Betreuungsurlaub kann am Stück bezogen werden, wochenweise oder an einzelnen Tagen. Die Anzahl der effektiven Urlaubstage richtet sich nach dem Beschäftigungsgrad.

Die Eltern können den Urlaub frei unter sich aufteilen. Kann keine Einigung über die Aufteilung erzielt werden, so wird jedem Elternteil die Hälfte des Urlaubs zugesprochen. Wenn beide für den gleichen Tag Betreuungsurlaub beziehen, erhält jeder Elternteil für diesen Tag eine Betreuungsentschädigung.

Ein Rückfall, der nach längerer Zeit ohne Symptome auftritt, wird als neuer Fall anerkannt und lässt einen neuen Anspruch auf den Betreuungsurlaub entstehen.

Höhe und Art der Entschädigung

Die Betreuungsentschädigung wird als Taggeld ausgerichtet. Sie beträgt 80% des durchschnittlichen Erwerbseinkommens, welches Sie unmittelbar vor dem Bezug Ihrer Urlaubstage erzielt haben, höchstens aber CHF 196.00 pro Tag. Das maximale Taggeld wird mit einem Monatseinkommen von CHF 7'350.00 (CHF 7'350.00 x 0.8/30 Tage = CHF 196.00/Tag) und bei Selbständigerwerbenden mit einem Jahreseinkommen von CHF 88'200.00 (CHF 88'200.00 x 0.8/360 Tage = CHF 196.00/Tag) erreicht.

Zusammenfallen von Leistungen anderer Sozialversicherungen mit der Betreuungsentschädigung

Beziehen Sie bis zum Beginn Ihres Entschädigungsanspruchs ein Taggeld der:

  • Arbeitslosenversicherung,
  • Invalidenversicherung,
  • obligatorischen Unfallversicherung,
  • obligatorischen Krankenversicherung, oder 
  • Militärversicherung,

geht die Betreuungsentschädigung diesen vor. Sie entspricht mindestens dem bisher bezogenen Taggeld.

Geltendmachung der Betreuungsentschädigung

Füllen Sie pro Elternteil eine Anmeldung für die gesamte Anspruchsdauer aus. Machen Sie in der Anmeldung auch Angaben zum anderen Elternteil. Geben Sie dabei bekannt, ob Sie als Eltern den Urlaub aufteilen.

Verwenden Sie für die erstmalige Anmeldung der Betreuungsentschädigung das Formular "Anmeldung Betreuungsentschädigung" (siehe Rubrik "Formulare" weiter unten).

Die Arbeitgeberin oder der Arbeitgeber meldet jeweils per Ende Monat die abgerechneten Urlaubstage und den während des Entschädigungsanspruchs ausgerichteten Lohn. Hierfür ist die Arbeitgeberin oder der Arbeitgeber zuständig, für die oder den Sie im jeweiligen Zeitraum erwerbstätig waren. Die Arbeitgeberin oder der Arbeitgeber verwendet dazu das Formular "Folgemeldung Betreuungsentschädigung" (siehe Rubrik "Formulare" weiter unten).

Nachfolgende Personen können bei der zuständigen Ausgleichskasse ein Gesuch um Betreuungsentschädigung einreichen. Zuständig ist die Ausgleichskasse, die als letzte AHV/IV/EO-Beiträge auf ein massgebendes Einkommen in Rechnung gestellt hat :

Sie als Eltern :

  • via Arbeitgeberin oder Arbeitgeber, wenn Sie unselbständig erwerbend sind;
  • direkt bei der Ausgleichskasse, wenn Sie selbständig erwerbend, arbeitslos oder arbeitsunfähig sind;

Ihre Arbeitgeberin oder Ihr Arbeitgeber :

  • sofern Sie es unterlassen, den Anspruch via Arbeitgeberin oder Arbeitgeber geltend zu machen (siehe oben) und die Arbeitgeberin oder Arbeitgeber während der Dauer des Anspruchs einen Lohn ausrichtet;

Ihre Angehörigen :

  • wenn Sie Ihren Unterhalts- oder Unterstützungspflichten nicht nachkommen.

Wenn Sie im Zeitpunkt des Unterbruchs angestellt, arbeitslos oder arbeitsunfähing sind, bescheinigt die Arbeitgeberin oder der Arbeitgeber, für die oder den Sie im Zeitpunkt des Beginns des Entschädigungsanspruchs erwerbstätig waren: 

  • den für die Bemessung der Betreuungsentschädigung massgebenden Lohn sowie
  • den von ihr oder im während der Dauer des Taggeldbezuges ausgerichteten Lohn.

Der Arzt bescheinigt mit dem offiziellen Attest, welches Bestandteil des Formulars "Anmeldung Betreuungsentschädigung" ist, dass Ihr Kind gesundheitlich schwer beeinträchtigt ist.

Beiträge an die AHV, IV und EO

Die anstelle des Lohnes direkt ausgerichtete Betreuungsentschädigung gilt ebenfalls als Einkommen. Deshalb müssen darauf AHV/IV- und EO-Beiträge entrichtet werden. Für Arbeitnehmende wird zudem der Beitrag an die Arbeitslosenversicherung abgezogen. Wie das übrige Einkommen wird deshalb auch der Betrag der direkt ausbezahlten Betreuungsentschädigung in das Individuelle Konto der AHV, das die Ausgleichskassen für jede versicherte Person führen, eingetragen. So kann sie bei der Berechnung künftiger Renten mit berücksichtigt werden. Für weitere Informationen zur Beitragspflicht können Sie uns kontaktieren.

Auszahlung

Wenn der Arbeitgeber des Bezügers für die Dauer des Anspruchs Lohnfortzahlungen leistet, so zahlt die Ausgleichskasse die Betreuungsentschädigung dem Arbeitgeber aus.
Der Bezüger kann - bei Differenzen mit dem Arbeitgeber oder wenn besondere Umstände vorliegen - die direkte Auszahlung der Betreuungsentschädigung durch die Ausgleichskasse verlangen. Als besondere Umstände gelten etwa, wenn der Arbeitgeber zahlungsunfähig oder säumig ist oder wenn er keine Kenntnis von Tatsachen erhalten soll, die eine andere Erwerbstätigkeit des Bezügers betreffen (Lohnhöhe, selbständige Erwerbstätigkeit u. a.).
In allen übrigen Fällen zahlt die Ausgleichskasse die Betreuungsentschädigung direkt an den Bezüger oder an die auszahlungsberechtigte Person aus. Der Bezüger kann verlangen, dass die Entschädigung ihren unterhalts- oder unterstützungsberechtigten Angehörigen ausbezahlt wird.

Merkblatt

Weitere Informationen finden Sie im Merkblatt der Informationsstelle AHV :